Lyrischer Adventskalender 6 — Langgässer

Daphne

Du siehst, wo sich der Wald­hang weitet,
Die Espe zit­ternd niederwehn,
Dem Brand des Him­mels hingebreitet,
Von Gras und Habicht­skraut begleitet,
Die ärm­lich in den Win­ter gehn.

Doch auch das Dunkel ein­er Mauer,
Wenn sie am Saum der Städte lebt,
Berührt oft ihrer Kro­ne Schauer,
An dem du dieser Zeit­en Trauer
Ermiss­est, da sie grund­los bebt.

Sie wurzelt müh­sam im Gerölle,
Das sie ver­fol­gt, indem es hält -
Und vor Begren­zung, Maß und Kelle
Flieht Daphne in das Laubgefälle
Und ste­ht am Rande unsr­er Welt.

(Elis­a­beth Lang­gäss­er, 1935)