Lyrik XVII — 1944/1945

Eigentlich machen wir das ja nicht, zwei Gedichte so kurz nacheinan­der. Wir wollen ja auch kein reines Lyrik-Blog wer­den. Aber dies­mal muss es sein, weil sich dieses hier so wun­der­bar auf den Jahrestag der bedin­gungslosen Kapit­u­la­tion bezieht. Der ist ein­er der schön­sten Tage in der deutschen Geschichte, und da trifft es sich, dass auch das Gedicht …

Lyrik XVI — Der Revoluzzer

War ein­mal ein Rev­oluzzer, Im Zivil­stand Lam­p­en­putzer; Ging im Rev­oluzzer­schritt Mit den Rev­oluzzern mit. Und er schrie: ‘Ich revolüzze!’ Und die Rev­oluzzer­mütze Schob er auf das linke Ohr, Kam sich höchst gefährlich vor. Doch die Rev­oluzzer schrit­ten Mit­ten in der Straßen Mit­ten, Wo er son­st unver­drutzt Alle Gaslater­nen putzt. Sie vom Boden zu ent­fer­nen, Rupft man die Gaslater­nen Aus dem Straßenpflaster aus, Zwecks des Bar­rikaden­baus. Aber unser Rev­oluzzer Schrie: ‘Ich bin der …

Lyrik XV

Ein Politgedicht zum 1. Mai. Bitte schön, danke schön. Und jet­zt zurück auf die Bar­rikaden. Inter­na­tionale Arbeit­steilung Sie kön­nen nicht lesen, die Kinder, die in den Straßen Zeitun­gen verkaufen. Sie ken­nen die Schoko­lade nicht, die Tagelöh­n­er, die den Kakao ern­ten. Sie haben kein Mobil­tele­fon, die Bergar­beit­er, die das Coltan abbauen, das für die Her­stel­lung von Mobil­tele­fo­nen unverzicht­bar ist. Diejeni­gen, die Mienen …

Lyrik XIV

Auf ein Fund­stück beson­der­er Art bin ich nicht selb­st gestoßen, son­dern dankenswert­er­weise von Flo­ri­an Neufeldt aufmerk­sam gemacht wor­den. Es find­et sich in einem Buch, das dem Kun­st­buch-Ver­leger Ernst Brüch­er gewid­met ist, in einem Beitrag des Köl­ner Kom­pon­is­ten und Exper­i­men­talfernsehmach­ers Mauri­cio Kagel. Den lassen wir hier kurz zu Wort kom­men: Irgend­wann in den 90er Jahren hat Ernst …

Lyrik XIII

An die Nachge­bore­nen 1 Wirk­lich, ich lebe in fin­steren Zeit­en! Das arglose Wort ist töricht. Eine glat­te Stirn Deutet auf Unempfind­lichkeit hin. Der Lachende Hat die furcht­bare Nachricht Nur noch nicht emp­fan­gen. Was sind das für Zeit­en, wo Ein Gespräch über Bäume fast ein Ver­brechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untat­en ein­schließt! Der dort ruhig über die Straße geht Ist wohl nicht …